Eine Nacht ganz oben

„Hast du da keine Angst da oben? Ganz allein?“
Die Frage stellt sich nicht, wenn man ein bestimmtes Bild festhalten will.

Im September fand ich einen Platz, von dem aus man beide südlichen Restgletscher der Hochalmspitze sehen kann – noch, denn bald wird das Eis verschwunden sein.

Mit 20 kg Foto- und Biwakausrüstung steige ich 1700 Höhenmeter hinauf, kurz hinter das Säuleck. Nina Polaschegg und Bruno Strobl helfen bis dorthin, bevor sie absteigen. Nina drückt mir noch zwei Pocket Coffee in die Hand, – dann bin ich allein auf 3000 m, auf dem Detmolder Weg.

Das Biwakzelt steht auf dem einzigen ebenen Fleck, ringsum Blockgelände und Abgrund. Der Wind rauscht, etwas flattert und ich überlege kurz ob ich jetzt Angst habe oder nicht. Ab 22 Uhr steht die Milchstraße über der Hochalmspitze und ich starte den Zeitraffer, lege mich danach für ein paar Stunden hin und fotografiere dann bis zum Morgen.

Als zwei Bergsteiger in der Früh vorbeikommen, sagen sie:
„Das tät ich mich nie trauen.“
Warum eigentlich?
Das Einzige, dem du da oben wirklich begegnest, bist du selbst.